Eine jährliche Erinnerung, aber ein täglicher Ruf

Impuls von Pfarrvikar Patrice Mor Faye
Am Donnerstag, den 6. Januar, feierten wir das Hochfest der Erscheinung des Herrn und respektierten die Tradition der Aussendung unserer Sternsinger. Einige Tage später, am Sonntag, dem 9. Januar, bot uns die Liturgie das Fest der Taufe des Herrn an. Dieses Fest ist im Zusammenhang mit dem Hochfest der Erscheinung des Herrn, zu dessen Elementen es gehört, zu verstehen und zu feiern.
Die Taufe des Herrn ist in der Tat eines der Momente und Zeichen, durch die uns das Geheimnis der Person Jesu offenbart wird, nicht sofort, sondern allmählich. Diese fortschreitende Offenbarung durch Zeit und Raum ist das gemeinsame und kontinuierliche Werk der drei göttlichen Personen, das heißt des Vaters, des Heiligen Geistes und Jesu selbst. Die Offenbarung des Seins Jesu beschränkt sich also nicht nur auf das Hochfest der Erscheinung des Herrn, sondern erstreckt sich über die gesamte Dauer des irdischen Lebens Jesu und danach, besonders durch das Wirken seiner Kirche unter dem Wirken des Heiligen Geistes, den er verheißen und gesandt hat. Solange Christus in unserer Mitte ist, wie er es versprochen hat (siehe Mt 28/20b), muss er ständig entdeckt und wiederentdeckt werden, durch die Zeichen, die er uns von seiner Gegenwart gibt. Eines dieser Zeichen ist seine Kirche, die er zum Licht und Zeichen für die Nationen („Lumen Gentium“) gemacht hat.
Mit der jährlichen Feier der Taufe des Herrn werden wir, gleich zu Beginn der ersten Woche der Jahreskreises, daran erinnert, dass auch wir zugleich getauft und gesendet sind, damit wir jeden Tag in unseren Familien, Arbeits- und Freizeitorten leuchtende Zeichen für andere sind, in der Art und Weise, wie der Stern für die Sterndeuter war. Leuchtende Sterne zu sein: das heißt sichtbare und glaubwürdige Zeugen, wie Jesus von uns erwartet: Ihr seid das Licht der Welt ... So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen (Mt 5/14,16). Dazu hat uns auch unser Erzbischof Ludwig Schick, in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit 2019 eingeladen: Die Taufe erfüllt unser Herz mit dem Reichtum des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, die wir gern den Menschen weitergeben sollen. Was uns wertvoll und wichtig ist, soll auch unseren Mitmenschen heute und in Zukunft zuteilwerden. Dazu sollen wir von unserem Glauben erzählen, wie er uns bereichert und guttut. Die Menschen sollen im Alltag spüren, dass wir Christen sind, getauft und gesendet!
Einmal im Jahr feiern wir das Hochfest der Erscheinung des Herrn. Aber jeden Tag sollen wir danach streben, Jesus wirklich kennenzulernen, persönlich und gemeinsam, wie die Sterndeuter. Jeden Tag auch sollen wir, wie der Stern im Evangelium, Sterne sein, die andere erleuchten und sie zu Jesus führen.